Freie Werkstattwahl

Freie Wahl für freie Bürger

freiewahlWegen eines neuen Paars Schuhe wechselt man doch nicht den Schuhmacher. Und wegen der neuen Frisur aus dem Urlaub muss ich doch auch nicht zum Nachschneiden nach Italien. Warum soll man dann die Werkstatt wechseln, wenn man sich ein neues Auto kauft?

Ein Neuer ist häufig der Grund für den Bruch einer langjährigen, freundschaftlichen Beziehung zwischen Werkstatt und Kunde. Aber das muss nicht sein. Viele Käufer eines Neuwagens sind einfach falsch oder gar nicht informiert. Dabei ist die freie Wahl der Werkstatt für einen Neuwagenkäufer auch während der Garantie- und Sachmangelhaftungszeit ein Verbraucherrecht. Und das bedeutet, dass man nach dem Erwerb eines neuen Autos auch weiterhin in die Werkstatt des Vertrauens zu Inspektion und Wartung fahren kann. Lediglich bei Arbeiten, die Garantie oder Sachmangelhaftung betreffen, muss man klären, ob der Vertragshändler angesteuert werden muss oder die eigene Werkstatt den Schaden beheben kann.

Verantwortlich für dieses Verbraucherrecht ist die EU-Kommission, die „Hüterin“ des fairen und freien Wettbewerbs in der EU. Sie greift ein, wenn der freie Markt nicht funktioniert und der Wettbewerb durch faktische Monopole und Ungleichgewichte verzerrt wird. Letztendlich zahlt der Verbraucher durch zu hohe Preise in solchen Fällen die Zeche. Ein Beispiel: Die EU-Kommission hat in den vergangenen Jahren gegen den Widerstand der Telekommunikationsunternehmen eine drastische Senkung der Gebühren für das Roaming bei Auslandsgesprächen durchgesetzt. Gesetzlicher Rahmen

Auch in den Markt für den Vertrieb von Neuwagen hat die EU-Kommission eingegriffen. Gegen den Widerstand der großen Autokonzerne hat sie nach und nach den starr geregelten Markt aufgebrochen. Früher hatten die Fahrzeughersteller die Autohändler sehr stark in ihrer unternehmerischen Freiheit eingeschränkt und damit auch die Wahlfreiheit der Autofahrer. Daher führte die EU-Behörde 2002 die Kfz-GVO 1400/2002 ein. Diese regelt seitdem den Wettbewerb auf dem EU-Automarkt und erlaubt in ihrer aktuellen Fassung unter anderem, dass ein Händler mehrere Marken unter einem Dach anbieten darf. Inzwischen kann niemand mehr verhindern, dass EU-Bürger jenseits nationaler Grenzen dort ihr Auto kaufen, wo es ihnen am vorteilhaftesten erscheint. Bei vielen Händlern haben sie die Wahl zwischen mehreren Marken.

Ziel der Kfz-GVO war es aber auch, einen wirksamen Wettbewerb auf dem Kfz-Service-, Reparatur- und Ersatzteilmarkt zu garantieren. Deshalb dürfen die Konditionen für den Verkauf von Neuwagen nicht dazu benutzt werden, den Wettbewerb um Reparaturen und Wartungen zu verzerren. Im Klartext: Die Fahrzeughersteller dürfen Sachmangelhaftungs- und Garantiebedingungen nicht mit der Auflage verknüpfen, dass das Fahrzeug ausschließlich in einer Vertragswerkstatt oder stets unter Verwendung von Ersatzteilen der eigenen Marke gewartet oder repariert werden muss. Die regelmäßige Wartung hingegen ist eine Voraussetzung für die Gewährung von Sachmangelhaftungs- und Garantieleistungen.

Anforderungen

Die EU-Kommission hat im Zusammenhang mit Erläuterungen zur Kfz-GVO klargestellt, dass ein Verbraucher seine Sachmangelhaftungsansprüche nicht verliert, wenn er eine reguläre Wartung oder eine Reparatur von einer freien Werkstatt machen lässt. So darf ein Fahrzeughersteller seine Sachmangelhaftungs- oder Garantieverpflichtungen (zum Beispiel auf das Zündschloss oder den elektrischen Fensterheber) nicht pauschal ablehnen, nur weil beispielsweise ein Ölwechsel in einer freien Werkstatt gemacht wurde.

Hinweis: Die freien Werkstätten müssen die aktuellen Wartungspläne und die modellspezifischen Inspektionspläne der Hersteller verwenden. Die Werkstatt muss zudem bei einer Inspektion Originalersatzteile nach GVO 1400/2002 verwenden. Ansonsten kann der Automobilhersteller Sachmangelhaftungs- und Garantieansprüche ablehnen.

Nichts mit Sachmangelhaftungs- oder Garantieansprüchen zu tun haben etwa die Reparatur von Unfallschäden, der nachträgliche Einbau einer Klimaanlage oder regelmäßige Wartungsarbeiten wie ein Ölwechsel. Die Kosten trägt der Verbraucher. Daher hat der Autofahrer im marktwirtschaftlichen Wettbewerb die freie Wahl, ob er sein Fahrzeug in einer Vertragswerkstatt oder einem unabhängigen Kfz-Meister-Betrieb warten oder reparieren lassen möchte. Der Service in einer freien Werkstatt hat grundsätzlich keinen Einfluss auf den Fortbestand der Verbraucherrechte.